Tage Alter Musik – Jubiläumsschrift 2009
John Gibbons, Cembalo, spielten in diesen Jahren im Orchester des 18. Jahrhunderts. Am Samstag waren sie frei. Wir nutzten die Gelegenheit. Sie flogen am Samstag von Hamburg nach München. Wir holten sie ab, sie spielten am Abend das Konzert, danach saßen wir noch bis 2 Uhr im „Wienerwald“, um 3 Uhr nachts ging es weiter nach Bonn, wo sie um 11 Uhr wieder mit dem ‚Orchester des 18. Jahrhunderts‘ spielten, mit John Gibbons als Solist eines Klavierkonzerts von Mozart. Der Erfolg bestätigte unsere Konzeptidee. Gleich bei der Premiere waren die Konzerte allesamt sehr gut besucht, die meisten ausverkauft. Unsere Vermutung erwies sich als richtig, dass unbedingt auswärtige Besucher nach Regensburg ‚gelockt‘ werden mussten. Und über 50% der Besucher kamen von auswärts, bereits aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie erfreuten sich an einem Abend mit dem Boston Museum Trio im Reichssaal mit barocken Triosonaten (von Monteverdi bis Rameau), einer Matinee mit Bach-Sonaten für Cembalo und Violine (Hill/Goebel) und einem Konzertabend der Musica Antiqua Köln (Telemann, Vivaldi, Fasch und Buffardin). Nach dem Vorbild vieler Festivals glaubten wir ein Rahmenprogramm anbieten zu sollen: Der Cembalist Robert Hill hielt einen Workshop im Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen sowohl für das Fachpublikum als auch für die Schüler des Gymnasiums ab. Für ein Festreferat mit anschließender Diskussion konnte Dr. Kiesewetter gewon- nen werden, der „über den Trend der Alten Musik, dem zu folgen man gerne bereit ist“, sprach. Kurse boten so namhafte Künstler an wie 1986 Paul O’Dette (Laute) und Hilbrand Borkent (Hammerflügel), 1987 Sarah Cunningham (Viola da gamba) und Mitzi Meyerson (Cembalo). Nach einjähriger Unterbrechung (noch wussten wir nicht, ob die Tage Alter Musik jährlich oder alle 2 Jahre stattfinden sollen) fanden 1986 die Tage Alter Musik zum zweiten Mal statt. Ermutigt durch den durchschlagenden Erfolg der ersten Tage Alter Musik 1984 wagten wir, das Konzertprogramm, nicht die Zeitdauer des Festivals, auszuweiten. Statt fünf Konzerten wie im Jahre 1984 fanden 1986 acht Konzerte statt. Die Künstlerauswahl erfolgte wieder über die ersten Kontakte, die wir zur Alte- Musik-Szene hatten. So sollte die Zusammenarbeit zwi- schen Ton Koopman und den Regensburger Domspatzen, die seit einer denkwürdigen Aufführung von Bachs Messe h- moll bei den Berliner Bachtagen bestand, 1986 fortgeführt werden. Auf dem Programm stand je eine Motette von Bach und Johann Pachelbel. Die Proben mit dem französischen Barockorchester La Grande Ecurie et la Chambre du Roy fanden öffentlich im Anschluss an ein Gesprächsmeeting mit Dr. Morbach (SFB) statt. Zudem sollten an dem Konzertabend – neben einem Orgel-Präludium – die Konzerte für zwei und drei Cembali und Orchester von J. S. Bach, die soeben in einer spektakulären Einspielung mit Ton Koopman, seiner Frau Tini Mathot und seiner Schülerin, Isabella Ernst, erschienen waren (Philips), aufgeführt werden. Außerdem bestritten die beiden eine Matinee mit Werken für zwei Cembali. Ton Koopman, dieser große Wegbereiter der neueren Alte- Musik-Bewegung, war somit als Dirigent, Organist und Cembalist eingesetzt. Schließlich ließ er es sich nicht nehmen, als Orchester-Cembalist am Abschlusskonzert von Jean-Claude Malgoire , dem großen Interpreten des französischen Barock (Couperins ‚Apothéose de Lulli‘) mitzuwirken. Gleich 1987 die nächsten Tage Alter Musik folgen zu lassen, lag vor allem auch an der Tatsache, dass das Tafelmusik Baroque Orchestra aus Toronto 1987 gerade in diesem Zeitraum um Pfingsten nach 102 Die Regensburger Domspatzen & La Grande Ecurie et la Chambre du Roy unter der Leitung von Ton Koopman (1986)
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