Tage Alter Musik – Jubiläumsschrift 2009
zu hören. Der New Yorker Hammerflügel-Spezialist Steven Lubin, der mit Christopher Hogwood die Klavierkonzerte von Beethoven für Decca aufgenommen hatte, gastierte mit seinen Mozartean Players (Ritchie, Lutzke). Zusammen mit seiner Frau Elizabeth Wright war Stanley Ritchie als Duo Geminiani mit Violinsonaten zu hören. Beide hatten durch eine Einspielung der Bachschen Violinsonaten auf sich aufmerksam gemacht. Zum dritten Mal gastierte Joshua Rifkin 1991 bei den Tagen. Bachs Johannespassion wurde mit dem Bach Ensemble New York und renommierten Solisten wie Julianne Baird, David Cordier, John Elwes und Stephen Varcoe in solistischer Besetzung aufgeführt. Rifkin, der aufführungspraktisch wie musikwissenschaftlich die solistische Besetzung der Bachschen Vokalwerke vertrat und als erster durchsetzte, hat über Regensburg auch in Deutschland und Europa die neue Bachinterpretation bekannt gemacht – ein Meilenstein in der Geschichte der historischen Aufführungspraxis. Beim vierten Regensburger Auftritt 1997 wurde Bachs h-Moll-Messe, mit dessen Einspielung 1982 er erstmalig weltweit auf sich aufmerksam machte, aufgeführt, und zwar mit Susanne Rydén, M. Wik, Steven Rickards, John Elwes und Michael Schopper als Vokalisten. Joshua Rifkin ist dem Festival stets verbunden geblieben und hat die persönlichen Kontakte nie abreißen lassen. In New York beheimatet ist das Kammermusikensemble Rebel , das sich um den deutschen Geiger Jörg- Michael Schwarz formiert hat und 2003 abwechslungsreiche Literatur von Telemann und Händel dar- bot. 1994 erlebte der Neuhaussaal einen spektakulären, bis- lang nicht gesehenen Auftritt. Zur Musik des Concert Royal (James Richman) vermittelte die New York Baroque Dance Company einen Streifzug durch die Vielfalt des Barock- tanzes – farbenfroh, abwechslungsreich und von histori- schem wie aktuellem Interesse. Mit dabei war auch die junge aufstrebende Sopranistin Christine Brandes. Neben New York ist an der Ostküste Amerikas immer schon Boston (mit seinem Festival) das Zentrum der amerikani- schen Alte-Musik-Szene gewesen. Ihrer Qualität konnte gewahr werden, wer 1999 The Musicians of Aston Magna erlebte – für viele ein Highlight der Festivalgeschichte. Unter der Leitung von Daniel Stepner (Violine) wurde Händels frühes Oratorium „The Triumph of Time and Truth“ aufgeführt. Das zu sehr vernach- lässigte Werk bedeutete für viele Besucher eine Neuentdeckung, weil die Interpretation und Ausführung rundum überzeugten. Nicht zuletzt hatten daran die hervorragenden Vokalisten Anteil: Sharon Baker, Kendra Colton, Frank Kelley, Jeffrey Gall. Man darf gespannt sein, wie dasselbe Werk 2009 von La Risonanza (Italien) interpretiert werden wird. Ebenfalls zu seinem Europa- debüt reiste 2001 das Kammermusikensemble Musicians oft the Old Post Road an. Ihre Darbietung von Telemann- und Bodinus- Kompositionen wurde ergänzt durch Auftritte des mexikanischen Trios La Fontegara (Mexiko), das eine Begegnung mit den spa- nischen Barockmeistern Juan und José Pla ermöglichte. Ebenfalls aus Boston kommt der Hammer- flügel-Spezialist Mark Kroll , der 1989 zu einem Solokonzert (Cembalo-Rezital) nach Regensburg kam und 2000 noch einmal bei uns mit zwei Konzerten auftrat: Er begleitete Christoph Prégardien, den her- 104 Concert Royal & The New York Baroque Dance Company im Neuhaussaal (1994) The Musicians of Aston Magna (1999)
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