Tage Alter Musik – Jubiläumsschrift 2009

Ebenfalls ein seltener Aufführungsort, die Schlosskirche St. Georg, wurde für den Auftritt der drei Sopranistinnen des Trio Mediaeval aus Oslo gewählt. 2002 bot es polyphone Musik aus England und Frankreich, darunter die bekannte Messe von Tournai (die 2009 auch vom Ensemble De Caelis zu hören ist). Mit einem Konzertereignis besonderer Art wartete im Jahr 2005 eine deutsche Mittelalter-Formation auf: der Scivias-Chor aus Berlin. H i l d e g a r d s von Bingen b e r ü h m t e s Mysterienspiel Ordo Virtutum wurde von 16 Akteuren (Chorsängerinnen) mit Kostümen und Bewegungen in Szene gesetzt, wobei der spätgotische Raum der Minoritenkirche stim- mungsvoll einbezogen wurde. Norbert Rodenkirchen und Gislinde G. Strunz zeich- neten für die poetische Inszenierung, ein ‚Theater der bewegten Stimmen‘, verantwort- lich. Zeugnisse der reichhaltigen jüdisch-spa- nischen Musiktradition stellte schließlich 2007 das renommierteste spanische Mittel- alterensemble vor: Alia Musica unter der Leitung von Miguel Sanchez. Zum wiederholten Mal (vgl. Ensemble Alcatraz, Anonymous 4, Esther Lamandier, Theatrum Instrumentorum, Sonus) waren auf den Tagen Alter Musik sephardische Gesänge der spanisch-jüdischen Liturgie zu hören mit ihrem eigentüm- lichen südländisch-orientalischen Klangbild. Mittelalter – weltliche Musik Musik des Mittelalters, das ist Musik, gesungen von Mönchen und Nonnen in Klöstern und Kathedralen zur liturgischen Andacht, gläubig ausgerichtet am ‚Klang der himmlischen Engelschöre‘ (nach zeitgenössischen Quellen), angefangen von einstimmigen gregorianischen Choralsätzen über die Frühe Mehrstimmigkeit (zweistimmige Quint- und Quartorgana) der Ars Antiqua (Notre-Dame-Schule) über polyphone Weiterentwicklungen der Ars Nova (de Vitry, de Fauvel) bis hin zu den ausgereiften polyphonen Messen und Gesangskompositionen eines Machaut, welche schon die franko-flämische Musik (eines Dufay) ankündigt – Musik, komponiert in stilistischer Einheit- lichkeit über ganz Europa hinweg, allerdings ohne zentrale Lenkung (die normierte Gregorianik entspricht einer kirchlichen Direktive des 19. Jh.s), mit regionalen Varietäten und mit Sonderfällen wie der sefardischen (jüdi- schen) und arabischen Gesangstradition am iberischen Rand des Kontinents. 83 Scivias-Chor in der Minoritenkirche (2005) Trio Mediaeval in der Schlosskirche St. Georg in Prüfening (2002) Lucia Sciannimanico & Paolo Fanciullacci (Modo Antiquo 1999)

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