Tage Alter Musik – Programmheft 2019

60 T age a LTeR M USIK R egenSBURg Konzert 10 Maria ist mit dem „Salve Regina“ von Juan de araujo zu hören, der 30 Jahre nach Victorias Tod in Villafranca (Spanien) geboren wurde. Im Jahr 1670 machte er sich zu einer langen Reise auf, um schließlich als Kapellmeister an der Kathedrale von Lima und danach in der Kathedrale von La Piata in Bolivien zu wirken. neben dem „Salve Regina“ erklingt noch das dop- pelchörige und höchst beschwingte und ausgelassene Stück „Vaya de gira“. Von erlesener Innigkeit, Schönheit und Kraft ist auch das „Magnificat“, das aus der Feder von Francisco Correa de araujo stammt. Seinen Platz in den Musikgeschichtsbüchern hat der aus Sevilla stammende und in Segovia verstorbene Komponist sich aber vor allem als Meister der orgel gesichert. So gehört seine Sammlung „Libro de Tientos y Discursos de Música Prática y Theórica de organo, intitulado Facultad orgánica“ (1626) zu den Höhepunkten frühbarocker orgelmusik. Mit gaspar Fernandes lernt man dann wieder einen Komponisten kennen, der sein berufliches glück in Lateinamerika fand. Fernandes wurde in Por- tugal geboren. ab 1599 war er organist der Kathedrale von guatemala, danach als Kapellmeister der Kathedrale von Puebla in Mexiko tätig. Seine geistlichen und weltlichen Kompositionen sind in verschiedenen Biblio- theken der mexikanischen Kathedralen aufbewahrt. Von Fernandes steht das Wiegenlied „A Belén me llego, tío“ auf dem Programm. Wie den Kollegen Juan de araujo zog es auch Tomás de Torrejón y Velasco nach Peru. er begann seine berufliche Laufbahn als Page von Pedro Fer- nández de Castro y andrade, graf von Lemos. als der graf 1667 zum Vizekönig von Peru ernannt wurde, siedelte er als „gentilhombre de cámara“ mit ihm nach Lima um und hatte dort mehrere militärische und administrative Ämter inne. am 1. Juli 1676 wurde er zum Kapellmeister der Kathedrale in Lima ernannt. Sein Ruhm als Komponist verbreitete sich schnell über ganz Lateinamerika, viele seiner Werke wurden in archiven in Cuzco, Bolivien und guatemala gefunden. neben geistlichen und welt- lichen Vokalkompositionen polyphoner art schrieb Tomás de Torrejón y Velasco zudemmit „La purpura de la Rosa“ (1701) die erste lateiname- rikanische oper. Wieder zurück in Spanien, steht eine absolute musikalische Spezia- lität des Katalanen Mateo Flecha auf dem Programm. es ist eine sei- ner „ensaladas“. Damit bezeich- nete man einen Mix aus populären und geistlichen Liedern – wobei das Resultat nicht selten humoris- tische Züge trug. neben Pedro Villa gehörte Mateo Flecha zu den wichtigsten „ensalada“-Kompo- nisten des 16. Jahrhunderts. Und mit seinem musikalischen Salat „La Bomba“ (Die Pumpe) erlebt man jetzt eines der unterhaltsamsten Parade- beispiele für diese gattung. erzählt wird die geschichte eines Schiffbruchs: Die Besatzung hofft auf göttliche Rettung und ruft sogleich in der ersten Strophe: „Pumpt! Pumpt das Wasser heraus!“ Übrigens sollte fast ein Jahr- hundert später ein Spanier namens Pedro Bermúdez in seiner Funktion als Kapellmeister an der Kathedrale in guatemala eine „Missa de Bomba“ komponieren und dafür auf das anfangsthema von Flechas „La Bomba“ zurückgreifen. Furios geht schließlich die musikalische Reise zu ende – mit dem perkussiv mitreißenden Stück „Salga ei torillo“ aus der Feder des aus Sevilla stam- menden Komponisten Diego José de Salazar. Und auch wenn er quasi nie aus seinem Heimatort herausgekommen ist, so haben es immerhin viele seiner Werke bis in die neue Welt geschafft. © Jérôme Lejeune Übersetzung: Christina & Hannsjörg Bergmann CD: Chœur de Chambre de Namur & Cappella Mediterranea – Carmina Latina

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